Wirtschaftsfachwirt IHK vs. Wirtschaftsfachwirt HWK

  • Wirtschaftsfachwirt IHK vs. Wirtschaftsfachwirt HWK

    Hallöle,

    nachdem es im Eigenstudium einfach nicht funktioniert, habe ich mich nun doch für die berufsbegleitende Variante entschieden.
    Auf der Suche nach einer "Schule" bin ich nun auf die BMU GmbH in Berlin aufmerksam geworden.

    Die BMU bietet den Kurs "geprüfter Wirtschaftsfachwirt" an, arbeitet allerdings mit der Handwerkskammer Frankfurt/O. zusammen. Ich könnte alternativ meine Prüfung auch vor der IHK ablegen.

    Jetzt frage ich mich, ob es nach dem Abschluss einen Unterschied macht, ob ich "Wirtschaftsfachwirt IHK" oder "Wirtschaftsfachwirt HWK" bin. Eigentlich bin ich doch "Wirtschaftsfachwirt".

    Was denkt ihr?

    LG von Dani
  • Frage wurde vor rd. einem Tag schonmal gestellt; also IHK und Handwerkskammer unterscheiden sich mehr oder minder stark voneinander.

    Der IHK gehören alle Gewerbetreibenden und Unternehmen mit Ausnahme reiner Handwerksunternehmen, Landwirtschaften und Freiberufler (die nicht ins Handelsregister eingetragen sind) per Gesetz an. Eine Handwerkskammer ist eine Einrichtung des gesamten Handwerks in einem Kammerbezirk. Aufgabe der Handwerkskammern ist es, die Interessen des Gesamthandwerks zu vertreten und die Belange des Handwerks im Zuge der Selbstverwaltung selbst zu regeln. In Abgrenzung zu der Industrie- und Handelskammer (IHK) vertritt die Handwerkskammer nur die Interessen des Handwerks.

    Somit orientieren sich die Fortbildungsabschlüsse der IHK an Inhalte der von der IHK anerkannten Lehrberufe, also an Berufe aus der Industrie und dem Handel (z.B. Industrie-, Büro-,Einzelhandels-, Groß- und Außenhandelskaufleute, Fachkräfte für Lagerlogistik, Fertigungsmechaniker usw.) während Fortbildungen der Handwerkskammer auf handwerkliche Berufe (z.B. Bäcker, Fliesen-, Platten- und Mosaikleger, Steinmetze, Klempner oder Friseure) ausgelegt sind.

    Willst du also zukünftig kaufmännische Tätigkeiten im Handwerk, in auf Baumaterialien spezialisierte Unternehmen oder in "Mischbetrieben" (... also Unternehmen, welche sowohl in der IHK als auch der Handwerkskammer eingetragen sind und sowohl in der Industrie und als auch im Handwerk aktiv sind...) wahrnehmen, könntest du Dir über Fortbildungen der Handwerkskammer Gedanken machen (...also wo du für das Unternehmen zu deinem kaufmännischem Wissen noch weiteres Wissen aus rechtlichen, verwaltungstechnischen o.ä. wichtigen Bereichen des Handwerks aneignen müsstest).

    Möchtest du eher bei Industrie- und Handelsunternehmen (auch für Unternehmen der Baustoffindustrie) oder in den o.a. "Mischbetrieben" kaufmännisch tätig sein, sollte dein Augenmerk auf Fortbildungen der IHK bleiben, da einige dieser Fortbildungen (u.a. der Wirtschaftsfachwirt) ja auch auf kaufmännisches Grundwissen aufbauen. Die IHK Fortbildungen sind nicht auf reine Handwerksberufe ausgelegt.

    Soweit mir bekannt ist (... ich könnte mich aber auch irren), gibt es keinen Wirtschaftsfachwirt der Handwerkskammer. Bei der Handwerkskammer gibt es, meines Wissens nach, den kaufmännischen Fachwirt und den Betriebswirt (HwO) ( früher Betriebswirt des Handwerks).

    Sofern du Dich zur Prüfung bei der IHK angemeldet hast und zugelassen wurdest, kannst du davon ausgehen, dass du die Prüfung auch ohne Vorbereitungslehrgang natürlich vor der IHK ablegen kannst, ich würde jedoch ernstlich bezweifeln wollen, dass du dich mit dem Vorbereitungskurs auf eine Prüfung der Handwerkskammer ordentlich auf eine IHK Prüfung vorbereiten kannst, da sich
    sowohl die Zielgruppe als auch die Prüfungsinhalte voneinander unterscheiden können.

    Um eine pauschale Aussage treffen zu können, was "besser" ist, müsstest du zufälligerweise jemanden treffen, der beide Abschlüsse gemacht hat, was wohl eher unwahrscheinlich ist.

    LG
    Garfield
    gepr. Betriebswirt (IHK)
    B.A. Business Administration

    "Erfolgreiche Menschen sind erfolgreich, weil sie das tun, was andere Menschen nicht tun (Henry Ford)."
    "Natürlich darf man auch mal hinfallen im Leben. Aber niemals liegen bleiben. (Werner Otto)"
  • Hallo Garfield,

    vielen Dank für diese ausführliche Antwort.

    Ich würde bei der BMU GmbH folgenden Lehrgang machen: bmu-wirtschaftsfachschule.info…ory/wirtschaftsfachwirtin
    Die Geschäftsführerin meinte, ich könne mich bei der IHK prüfen lassen, allerdings arbeiten die dort eng mit der HWK zusammen. Sie meinte, ich könne diesen Abschluss auch bei der Handwerkskammer erlangen.

    Vielleicht rufe ich morgen einfach mal bei der HWK an und erkundige mich dort.

    LG von Dani
  • Der Lehrgang ist AZAV- zertifiziert durch die TÜV- Rheinland Cert GmbH.


    Bei einem Zertifikatslehrgang werden i.d.R. von dem jeweiligen Fortbildungsinstitut die Noten selber vergeben; so ist z.B. der Fortbildungslehrgang "Betriebswirt (ILS)" ebenfalls AZAV-zertifiziert. Dadurch, dass solche Abschlüsse jedoch nur zu einem internen Abschluss eines privaten Weiterbildungsanbieters führen, welche keine Berufsabschlüsse im eigentlichen Sinne sind (beispielsweise Betriebswirt (ILS) oder Wirtschaftsdiplom der VWA) und aufgrund der Tatsache, dass solche Institute Ihr Geld durch die zahlenden Prüflinge verdient (... also kein Interesse daran besteht, eine Prüfung so schwer zu gestalten oder Antworten so zu korrigieren, dass irgendjemand durchfällt), kann man solche Zertifikate meist vergessen.

    Der Lehrgang schließt mit schriftlichen Prüfungen sowie einer mündlichen Prüfung und einem Fachgespräch vor der zuständigen Stelle ab und führt beim Bestehen der Prüfung zum bundesweit anerkannten Titel “Geprüfter Wirtschaftsfachwirt ab. Die Prüfungsgebühren sind nicht in den Lehrgangskosten enthalten.


    Der geprüfte Wirtschaftsfachwirt ist ein öffentlich-rechtlich anerkannter Abschluss auf Meisterebene, der nach einer erfolgreich absolvierten kaufmännischen Aufstiegsfortbildung gemäß Berufsbildungsgesetz vergeben wird. Die bundeseinheitliche Prüfung erfolgt auf Grundlage einer besonderen Rechtsverordnung vor dem Prüfungsausschuss einer Industrie- und Handelskammer (IHK). Du bekommst den anerkannten Titel "geprüfter Wirtschaftsfachwirt" also nur durch die Teilnahme an der bundeseinheitlichen Prüfung der IHK.

    Die Geschäftsführerin meinte, ich könne mich bei der IHK prüfen lassen, allerdings arbeiten die dort eng mit der HWK zusammen. Sie meinte, ich könne diesen Abschluss auch bei der Handwerkskammer erlangen.


    Natürlich ist nichts unmöglich, so dass die Handwerkskammer Frankfurt (Oder) über irgendwelche Umwege als "zuständige Stelle" gilt; der Glaube daran fehlt mir aber für den Moment. Wie gesagt, bietet die Handwerkskammer zwar Fachwirt (HWK) Lehrgänge an; jedoch meines Wissens nach, keinen geprüften Wirtschaftsfachwirt. Bei der Handwerkskammer gibt es, meines Wissens nach, den kaufmännischen Fachwirt und den Betriebswirt (HwO) ( früher Betriebswirt des Handwerks), welche beide zwar anerkannt sind, jedoch eben kein Wirtschaftsfachwirte sind.

    Hier : hwk-ff.de/weiterbildung/kurse-…tliche-weiterbildung.html
    sind die Weiterbildungen der Handwerkskammer Frankfurt (Oder) und hier : hwk-ff.de/weiterbildung/bildun…ngebote/fachwirt-hwk.html der Fachwirt (HWK).

    Ggf. würde ich mal die IHK Berlin oder den DIHK fragen, ob die Handwerkskammer Frankfurt (Oder) oder die BMU GmbH zur Durchführung der anerkannten Prüfung "geprüfter Wirtschaftsfachwirt" berechtigt ist.

    LG
    Garfield
    gepr. Betriebswirt (IHK)
    B.A. Business Administration

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    Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von garfield1975 ()

  • Hallo,

    @Anneli0410
    die IHK Berlin ist mir zu weit.
    Ich habe einen Kurs in meiner Nähe gesucht, damit ich nach der Arbeit nicht noch 2 Stunden Anfahrtsweg habe. Ich denke, ich wäre dann vielleicht inkonsequent. ;)


    @garfield1975
    ich habe folgenden E-Mail-Inhalt erhalten:
    "...
    Lt. der Verordnung über die Prüfung zum anerkannten Abschluss Geprüfter Wirtschaftsfachwirt/ Geprüfte Wirtschaftsfachwirtin vom September 2008 muss die Prüfung von einer zuständigen Stelle abgenommen werden. Diese zuständige Stelle kann eine IHK oder eine HWK sein, wenn sie eine entsprechende Prüfungskommission haben. Diese Verordnung gilt bundesweit für alle prüfenden Stellen..."

    Ich denke, ich werde es machen...

    PS: Anmeldung ist raus...

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Dani311 ()

  • Das steht in der besagten Verordnung :

    (1) Die zuständige Stelle kann berufliche Fortbildungsprüfungen zum Geprüften Wirtschaftsfachwirt/zur Geprüften Wirtschaftsfachwirtin nach den §§ 2 bis 10 durchführen, in denen die auf einen beruflichen Aufstieg abzielende Erweiterung der beruflichen Handlungsfähigkeit nachzuweisen


    ... das steht da nicht drin :

    Diese zuständige Stelle kann eine IHK oder eine HWK sein, wenn sie eine entsprechende Prüfungskommission haben.


    Sorry, wenn ich etwas skeptisch bleibe, aber wie ich schon sagte :

    Natürlich ist nichts unmöglich, so dass die Handwerkskammer Frankfurt (Oder) über irgendwelche Umwege als "zuständige Stelle" gilt; der Glaube daran fehlt mir aber für den Moment.


    Der Glaube daran fehlt mir zwar noch immer, da die Prüfung zum geprüften Wirtschaftsfachwirt 1.) meines Wissens von der IHK erstellt wird und 2.) bundeseinheitlich ist.

    Das wäre in etwa so, als würde man zur Abschlussprüfung des Industriekaufmannes auch zur Handwerkskammer gehen können oder dass der Maurerlehrling für seinen Gesellenbrief auch zur IHK gehen könnte.

    Soll natürlich nicht heißen, dass ich mich auch irren kann, aber ehrlich gesagt höre ich das zum ersten Mal, dass die Handwerkskammer eine IHK Prüfung abnimmt. Dies ist gerade deswegen ungewöhnlich, weil die IHK selber ja auch in Frankfurt an der Oder Ihren Sitz hat.

    Aber so ist es nunmal im Leben; man lernt ständig was dazu.?

    PS: Anmeldung ist raus...


    Kannst uns ja mal auf dem laufenden halten, wie es bei Dir weitergeht; wäre interessant zu wissen.

    LG
    Garfield
    gepr. Betriebswirt (IHK)
    B.A. Business Administration

    "Erfolgreiche Menschen sind erfolgreich, weil sie das tun, was andere Menschen nicht tun (Henry Ford)."
    "Natürlich darf man auch mal hinfallen im Leben. Aber niemals liegen bleiben. (Werner Otto)"
  • Wie Garfield bereits schrieb: Eine Reihe Anbieter bereiten auf ihre eigenen (Zertifikats-)Prüfungen vor, und nicht selten werden die Prüfungsteilnehmer dann doch unbedarft auf die IHK-Prüfung "losgelassen" und wundern sich über ihr Ergebnis.
    Bei der BMU "orientiert" sich der Lehrgang an den Prüfungsinhalten und es werden wohl eigene Studienhefte verwendet, also wohl nicht die Unterlagen der IHK. Das kann gut sein, oder nicht.
    Du solltest Dir in jedem Fall den Rahmenplan für die Prüfung besorgen und die Inhalte genau abgleichen, damit nichts offen bleibt. Und alte Prüfungen, an Du sehen kannst, worum es in etwa gehen wird.

    Ob die von der DIHK erstellte bundeseinheitliche Prüfung auch von einer HWK abgenommen werden kann, und wie das Zeugnis dann aussieht, kann womöglich nur die DIHK zweifelsfrei beantworten.

    Viel Spaß und Erfolg Dir in jedem Fall!
  • @garfield1975
    Ich werde euch natürlich auf dem Laufenden halten.
    Ich werde ja die Bescheinigung über die Erfüllung der Zulassungsvoraussetzungen von der HWK bekommen. Da steht ja dann alles drin.
    Die HWK habe ich angeschrieben, mal sehen was die schreiben...

    @KasiGF
    Ich hatte ja schon ein Selbststudium angefangen bzw. hatte es probiert. Dafür habe ich mir schon einige Literatur, den Rahmenplan und alle alten IHK-Prüfungen mit Lösungen besorgt. Von daher werde ich ja sehen, wie weit mich die Studienhefte bringen.
    Zumindest finde ich es sehr hilfreich, dass man jmd. hat, den man mal etwas fragen kann bzw. der einem etwas erklären kann.