Vom Wirtschaftsfachwirt zum Betriebswirt im Selbststudium

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  • Vom Wirtschaftsfachwirt zum Betriebswirt im Selbststudium

    Habe dieses Jahr im Selbststudium meinen Wirtschaftsfachwirt erfolgreich mit für mich akzeptablem Ergebnis abgeschlossen.

    Nun ist mir der Gedanke gekommen - trotz all dem Stress und dem 100x beteuern dass ich so etwas im Selbststudium definitiv nicht mehr machen werde - dass ich direkt meinen Betriebswirt anhänge. Ebenfalls im Selbststudium.

    Nun die Frage. Wer hat Erfahrung damit?

    Inwieweit und um welche Bereiche werden die Themengebiete des Wfachwirts ergänzt?
    Wieviel des Wirtschaftsfachwirts ist im Betriebswirt enthalten?
    Geht das im Selbststudium? Wie ist der Aufwand vergleichbar zum Wfachwirt?

    Über alle möglichen Tipps, Anregungen, Erfahrungen und Empfehlungen würde ich mich freuen. :) :P
  • Inwieweit und um welche Bereiche werden die Themengebiete des Wfachwirts ergänzt?


    Erweitert im wesentlich um Bilanzpolitik, Steuerpolitik, Außenwirtschaft und Projektmanagement.



    Wieviel des Wirtschaftsfachwirts ist im Betriebswirt enthalten?


    Im Fach Marketing-Management empfand ich die Überschneidungen am größten. Den Großteil (geschätzt 75%) wusste ich noch aus dem Wifa . Es wird lediglich bei dem einen oder anderen Punkt mehr Hintergrundwissen vermittelt – quasi etwas vertieft.


    Bei den Fächern Unternehmensführung und betriebliche Organisation sieht es ähnlich aus. Da würde ich mein Vorwissen mit ca. 66% einschätzen. Hier geht man auf ein paar andere Aspekte ein, also andere Blickwinkel - hauptsächlich Strategiefindung etc.


    Bei Rechtliche Rahmenbedingungen der Unternehmensführungist der BGB-teil identisch. Wir haben sogar teilweise mit den Wifa Klausuren geübt. Was halt sehr stark neu dran kommt ist der Teil mit Wettbewerbsrecht, also die Vorschriften von UWG und GWB kennen und Sachverhalte einschätzen können. Da muss man dann doch schon viel üben…da muss man Routine und „Gefühl“ entwickeln für eine richtige Beurteilung. Vorwissen geschätzt 66%.


    Bei Finanzwirtschaftliche Steuerung des Unternehmens ist der Stoff im Wesentlichen zu 70% (gefühlt) deckungsgleich mit dem Fach Investition und Finanzierung beim Wifa. Man geht halt mehr auf das Thema Bilanzauswertung, Finanzplanung u.s.w. was beim Fachwirt nur oberflächlich angeschnitten wird. Vor allem wird weniger gerechnet und mehr erläutert, interpretiert und zusammenhänge beschrieben. Aber auch ganz klassisches wie dynamische und statische Investitionsrechnung wird gerechnet.


    Das Angstfach schlechthin: Bilanz- und Steuerpolitik im Unternehmen. Hier hatte man im Fachwirt gefühlt nur 25%. Das ist schon schwierig, da du hier auch Bilanzbewertungen mit IAS/IFRS, EStG, HGB vornehmen musst. Sachverhalte nach UStG bewerten musst u.s.w.!


    Dann noch Europäische- und Internationale Wirtschaftsbeziehungen. Dieses Fach war für viele auch nicht ohne. Hier würde ich das Vorwissen vom Wifa mit großzügigen 10% bemessen. Es kam ein wenig im Fach Logistik (z.B. Incoterms) dran und etwas in Marketing (z.B. Kulturdimensionen nach Hofstede), aber wie gesagt minimal. Hier hast du ein wahnsinnig großes Lernpensum vor dir, in Deutsch als auch in Englisch. Da darfst du dich mit Incoterms, Letter of Credit, Document against payment, EU-Recht u.s.w. herumschlagen. Viel Spaß.


    Das Fach Projektmanagement und Personalmanagement kann ich noch nicht beurteilen, da bin ich gerade noch selber dran.



    Geht das im Selbststudium? Wie ist der Aufwand vergleichbar zum Wfachwirt?


    Zwei Antworten: Lernpensum = viel viel höher! Wobei es sicher von Person zu Person unterschiedlich ist. Ich empfand/empfinde es zumindest so.


    Selbststudium = alles ist machbar, aber ich glaube es wird nochmal ein ganzes Stück härter. Ich zolle da jedem einen sehr hohen Respekt – vor allem denen, die es alleine im Selbststudium schaffen.
    • AdA-Schein (2013)
    • Gepr.- Wirtschaftsfachwirt (2015) mit Auszeichnung
    • Gepr.-Betriebswirt (2017)
    • IHK Prüfer für AEVO Prüfungen
  • Letzter aktuellerer Thread dazu.

    "Leidensgenossen" gesucht

    Ob ich es noch mache weiß ich nicht. Häng derzeit noch bei den HSQ vom Fachmeister und bin irgendwie 0 motiviert. :P

    Nun die Frage. Wer hat Erfahrung damit?

    Ein paar haben es im Forum schon geschafft, detailierte Berichte hab ich aber nicht gefunden.

    Wieviel des Wirtschaftsfachwirts ist im Betriebswirt enthalten?

    Viel, und gleichzeitig wenig. Die Bereiche sind bis auf Bilanz&Steuerpolitik eigentlich alle im Wirtschaftsfachwirt als "kleinen Betriebswirt" angeschnitten worden. Es geht aber darüber hinaus und in den Fragen usw. mehr ins Detail.
    Recht&Steuern z.B. reicht es im Fachwirt tendentiell etwas oberflächlicher weil es hier mehr in die Breite geht, detailiertere Fallstudien sind hier in den Klausuren selten geworden, beim Betriebswirt IHK schriftlich aber eher zu erwarten.

    Nach dem Rahmenplan ist man bei Bilanz&Steuerpolitiker näher an den Bilanzbuchhalter herangerückt.

    Finanzwirtschaftliche Steuerung ebenso, also auch hier "knackigere Fragen" wie man sie in BWL an der FH hätte.

    Europäische- und Internationale Wirtschaftsbeziehungen ist bis auf die nur am Rande genannten Incoterms beim Fachwirt komplett "neu" und soweit ich das bisher beurteilen und überblicken kann ist das von der Auswahr her auch sehr "IHK-Spezifischer" Stoff.


    Selbststudium: Ist schwierig mit dem Fachwirt zu vergleichen, vom Umfang her, nominal würde ich sagen ist es eher "weniger" weil der Wirtschaftsfachwirt doch sehr in die Breite geht. - und je nachdem wie frisch dieser ist musst du dir einiges an Grundlagenmaterial nicht mehr erarbeiten.
    Es geht aber mehr in die Tiefe, ich persönlich hab ca 18 Monate für den Fachwirt im Selbststudium gebraucht inklusive Wartezeiten etc. Netto wäre es sicher auch weniger gegangen, wobei ich allerdings hier häufiger überlernt habe, und mir ohne kaufmännische Erstausbildung einigen Grundstuff noch zusätzlich erarbeiten muss.

    Carriere&More geht von "nur" 7 Monate nach ihrem Konzept aus für den BW aus. Ich denke/schätze der Betriebswirt ist im Selbststudium in einem Zeitraum von 1 Jahr für einen Fachwirt realistisch schaffbar.
    Natürlich kommt das auf den einzelnen drauf an, wenn man nur mit viel Lücken und mit Ach&Krach Zufall/Glück, mehreren Nachprüfterminen usw. irgendwie durch den Fachwirt gekommen ist dann wird man sich natürlich entsprechend schwerer tun.

    Wirtschaftsfachwirt bestanden 03/16
    Ausbildereignungsprüfung bestanden 07/16

    Meister für Schutz und Sicherheit 05/17
  • Ich kann zwar nur aus der Warte des Handelsfachwirtes reden, aber dafür alles im Selbststudium.
    Der Betriebswirt IHK ist vom Anspruch her nochmal ne ganze Ecke höher, ich habe manchmal das Gefühl nochmal der Sprung von Berufsausbildung zum Fachwirt, genauso sehe ich teilweise den Betriebswirt zum Fachwirt.

    Ich mache seit einen Jahr Betriebswirt im Selbststudium und muss sagen, trotz Kinder und Familie, sowie Arbeit: Es klappt. Wenn man hartnäckig ist kommt man gut durch die Themen durch und kann teilweise auf Anhieb Marketing, Bilanz, Finanzwirtschaft sowie Recht bestehen. (kaufe mir immer die Betriebswirt Prüfungen). Gehe davon das ich kein sonderlich guter Handelsfachwirt Absolvent war. Ich habe jetzt neu das Fach Europäische und internationalen Wirtschaftschwachsinn begonnen und das ist bis jetzt das erste Fach wo ich durch drehen könnte. Hier muss man ne Menge Geduld mit bringen, da ich auch nicht gut in Englisch bin. Aber wenn ich da durch bin werde ich auch merken das die alle nur mit Wasser kochen und alles keine Hexerei ist.
    Geprüfter Handelsfachwirt IHK

    Geprüfter Betriebswirt IHK in der Röhre, Prüfung Frühjahr 2017