Ich gehörte zu der ersten Ausbildungsgruppe, die in der jeweiligen Niederlassung (NL) ausgebildet wurde und war in der NL West (mit Sitz in Duisburg) beschäftigt. Und ich glaube, weil wir der erste Jahrgang waren, lief vieles noch sehr unkoordiniert ab. Die EiB-Ausbildung war noch relativ gut organisiert, aber die Fachwirtausbildung gar nicht mehr. Die Ausbildung fand schwerpunktmäßig in Duisburg statt. Wir waren aber auch ein paar Wochen in Regensburg (Unterbringung in der Schule), zur Notfallmanagementschulung in Bad Sooden-Allendorf (Unterbringung im Hotel) für 2 Wochen (normalerweise findet diese Ausbildung in Kreiensen statt), tageweise auch in Hamm, in Köln, Wuppertal oder sonstwo in der NL.
Meiner Meinung nach kann man die Ausbildung nicht mit einem Studium vergleichen. Sie ist ganz einfach eine Ausbildung, an die eine Fortbildung genknüpft wird. Ich hatte aber damals andere Erwartungen an den Fachwirt. Bei uns wurde mit "Nachwuchsführungskräfte im mittleren Management" geworben - und das entspricht in der Regel nicht dem beruflichen Verlauf eines ausgebildeten Fachwirts. Manche werden noch Bezirksleiter Betrieb - da hat man zwar Führungsverantwortung, aber dieser Job liegt nicht jedem. (Alleine wegens des Einsatzes als Notfallmanager - und nicht jeder kann mit tödlichen Eisenbahnunfällen umgehen!). Damals habe ich noch im Ruhrgebiet gewohnt und habe bis auf Ausnahmen alles per Zug erreichen können (außer manche Stellwerke). Ich habe oft diese Berufswahl bereut

- eben weil ich etwas studienähnliches erwartet habe, was die Aus/Fortbildung einfach nicht ist. Klar kann sich jeder mit der Ausbildung hoch arbeiten - aber das kann man auch mit einer normalen Ausbildung, dafür muss man nicht fast 5 Jahre lernen. Allerdings wird man nach der EiB-Ausbildung auch relativ gut bezahlt - dafür das man nicht wirklich produktiv tätig ist, ist das ja wirklich gut! Außerhalb des Konzerns ist der Fachwirt aber nicht zu gebrauchen. Also klar ist man damit an die Bahn gebunden - ist eben eine spezifischer Beruf.
Ich bin heute mit der Mischung aus Fortbildung und Studium sehr zufrieden - aber der Fachwirt alleine wäre nicht meine berufliche Erfüllung geworden. Ich bin nun beim Nahverkehr im Controlling tätig. Dafür war das BWL-Studium zwar entscheidend, aber meine Eisenbahnkenntnisse sind hier ein klarer Vorteil und es ist schön die Aus/Fortbildung nicht umsonst gemacht zu haben.
Unsere Fortbildung lief auch schlecht, weil unser Trainer uns immer nur ein paar Wochen im Vorraus war und die Unterlagen richtig schlecht waren. Auch die Prüfung hatte nicht viel mit dem Unterricht zu tun - da half auch intensives Lernen nix.... Aber bis auf eine Ausnahme haben wir alle den Abschluss bekommen. Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass die Ausbildung im Laufe der Jahre besser wurde. Aber wenn Du auch die Erwartung an eine studienähnliche Ausbildung hast, rate ich Dir vom Fachwirt ab. Da ist ein BA- oder FH-Studium in einem Unternehmen (ich meine sowas würde die Bahn auch anbieten) sicher die bessere Wahl. Abschließend muss ich noch sagen, dass der Fachwirt sehr auf die Bedürfnisse der DB Netz AG zugeschnitten ist. Dort kann man sehr viele verschiedene Berufe ergreifen und das macht den Fachwirt auch attraktiv, neben all den negativen Sachen, die ich hier geäußert habe.Die Ausbildung ist wirklich sehr abwechslungsreich. Aber man muss sich schon für die Bahn und den Bahnbetrieb begeistern können. Ich war vorher kein Eisenbahner - mittlerweile aber schon.
Wenn Du näheres wissen möchtest, poste mich noch privat an.
Gruß
Fachwicht