Erfahrungen mit Online-Vorbereitungskursen?

  • Hallo,


    ich hab Interesse daran, den Fachwirt Büro- und Projektorganisation zu machen. Ich möchte keinen Präsenzkurs belegen (weil das zeitlich und organisatorisch schwierig ist - auf dem Land gibts einfach nichts "naheliegendes").


    Daher suche ich nach Fernkursen bzw. Onlinekursen. Ich bin schon auf folgende gestoßen:


    https://www.wbsakademie.de/sho…o-und-projektorganisation

    3290€

    Je Di und Do 18.00-21:15 + erster Samstag im Monat ab 8:30

    16 Monate


    https://www.management-qualifizierung.de/

    manQ -> Videochat

    3420€

    2 Abende werktags 18-21 Uhr

    Dauer: 12 Monate


    Gibt es bei euch Erfahrungswerte? Evtl. für die beiden o.g. Anbieter bzw. andere Lösungen, die man von zuhause aus machen kann?


    Ich bin für jeden Hinweis und jeden Erfahrungsbericht dankbar!


    Liebe Grüße

    Daniel

  • Zitat

    bzw. andere Lösungen, die man von zuhause aus machen kann?


    Es wird im Internet nicht oft propagiert, weil daran keiner Geld verdient, aber du kannst es auch im "Selbststudium" machen, für ein paar "Videoabende" dasselbe wie für einen Teilzeit oder Vollzeitkurs zu bezahlen käme für mich nicht in Frage.


    Ich habe mir gerade den Plan für diesen Fachwirt auch grob angesehen, hier gibt es wenig spezielles, du wirst Videos zu allen Themen auch so im Internet finden, und die Ordnung ist relativ neu.


    Es gibt ein frisch erschienenes Lehrwerk für diesen Fachwirt

    ISBN 978-3750471498


    sowie ein Repitorium

    ISBN 978-3752869064


    Da würde ich mir noch Hans Jungs "Allgemeine Betriebswirtschaftslehre" + Übungsbuch dazu organisieren.


    Mir nen Plan schreiben, die alten Klausuren (sofern vorhanden) beim DIHK Shop organisieren und dann mal loslegen.


    Wirtschaftsfachwirt bestanden 03/16
    Ausbildereignungsprüfung bestanden 07/16

    Meister für Schutz und Sicherheit 05/17

  • Hallo Daniel,


    bei diesen Preisen solltest Du darauf achten, dass da nicht einfach ein Dozent an seinem Laptop in seinem heimischen WohnKüchenKlo sitzt und Dich vier Unterrichtseinheiten am Stück zutextet. Das sollte dann schon so was sein:


    Und auch dann kommt es darauf an, was der Unterrichtende daraus macht. Du solltest auch schauen, dass das Modell Deinem Lerntyp entgegen kommt.


    Es gibt auch Kammern, die Blended-Learning anbieten: https://akademie.muenchen.ihk.de/digital-lernen/


    LG

    -Tim

  • Hallo Daniel,


    ich hatte damals ähnliche Probleme, bezüglich des Zeitlichen und Organisatorischen. Da es im Umkreis von mind. 50 Minuten Fahrtzeit keinen Präsenzkurs zum Industriefachwirt gab, war das ganze aus Arbeitszeitgründen keine Option.


    Ich habe mich nach Recherchen dann dazu entschieden den Kurs bei manQ zu machen. Der Grund war schlichtweg, dass man einen Mix aus "Präsenzunterricht" und Selbststudium hat. Ein reines Selbststudium wäre mir auf die Dauer wahrscheinlich schwer gefallen.

    Ich kann aus meiner Erfahrung nur sagen, dass deren Konstrukt recht strukturiert aufgebaut ist. Die Dozenten machen überwiegend einen sehr soliden Eindruck, bringen den Stoff gut rüber und sind sehr hilfsbereit - auch bei Fragen außerhalb der Webinare.

    Darüber hinaus hat man Zugriff auf eine Online-Bibliothek.

    Webinare finden in der Regel ein Mal, ab und an zwei Mal pro Woche statt. Nach jedem Webinar gibt es üblicherweise Lernaufträge, welche zum einen Teil aus einem Leseauftrag (aus Lehrbüchern in der Online-Bibliothek) und zum anderen Teil aus Aufgaben. Des Weiteren gibt es je Modul ein bis zwei Lernerfolgskontrollen.


    Bezüglich der Kursgröße - In meinem Fall waren im Kurs ca. 30 Leute. Regelmäßige Interaktion gab es hier bei vielleicht von 8-12 Leuten. Wichtig ist es, meiner Meinung nach, mitzumachen und Fragen zu stellen. Das hilft einem selbst und mach das ganze wesentlich angenehmer, als drei Stunden zuzuhören.


    Man darf hierbei nicht davon ausgehen, dass man allein durch die Webinare dorthin kommt, die Prüfung locker aus den Ärmeln zu schütteln. Dafür ist die Zeitspanne natürlich etwas kurz. In meinem Fall habe ich die ersten 8 1/2 Monate die Webinare mitgemacht, und die letzten 3 1/2 Monate zusätzlich nahezu täglich gelernt (Bücher von Dr. Stöhr, Karteikarten, alte Prüfungen) und konnte die Prüfungen mit 91 Punkten im Schnitt machen. Dementsprechend kann ich manQ, um den Weg zu ebnen, durchaus empfehlen - Eigeninitiative muss man für ein Ergebnis natürlich dennoch mitbringen.


    Möchte hier keine Werbung machen - aber hoffe meine Erfahrung hilft die ggf. bei der Entscheidungsfindung.


    Gruß

    Alex

  • Danke für euer Feedback und die Erfahrungen.


    Ich mache jetzt mal jeweils eine "Schnupperstunde" bei manQ und WBS mit und schau mir mal an, ob mir was davon zusagt bzw. was mir besser gefällt.


    Bisschen irritiert mich die unterschiedliche Dauer:

    manQ: im Schnitt 1x pro Woche 3 Stunden und 1 Jahr lang = ca. 52 Einheiten (zu 3 h)

    WBS: 2x unter der Woche, je 3 Stunden, 18 Monate lang + jeden ersten Samstag 6 Stunden = ca. 180 Einheiten (zu 3 h)


    Ich frage mich, wieso das Angebot so unterschiedlich sein kann, wenn doch auf die selbe Prüfung vorbereitet wird.


    Alex, wenn ich dich richtig verstehe, dann bist du aber ja mit dem einen Jahr bei manQ und ordentlich selbst was machen ganz gut zurecht gekommen. Hättest du dir mehr Unterrichtsstunden gewünscht?

  • Hallo Daniel,


    ich bin mit dem Modell ziemlich gut zurecht gekommen. Je Modul hat man hier zwischen 5-8 Webinare, d.h. dass einiges jeweils angeschnitten wird. Hat man bereits kaufmännische Vorerfahrung (aufgrund von Ausbildung o.Ä.) und macht jeweils die Lern- und Leseaufträge im Nachgang und arbeitet das auf, was man nicht auf Anhieb versteht, kommt man damit sehr gut zurecht.

    Zusammen mit einer ordentlichen Prüfungsvorbereitung (neben der von manQ) ist das meiner Meinung nach gut machbar.


    Gruß

    Alex

  • Danke Alex!


    Jetzt hab ich mich mal ein paar Stunden (ca. 10 Stunden) auf Tauchgang in den Rahmenplan begeben und dazu das Internet durchforscht sowie die beiden oben empfohlenen Bücher. Ich muss sagen, dass ich verunsichert bin.


    Zunächst zu den Büchern:


    ISBN 9783750471498 "Fachwirt für Büro & Projektorganisation - Prüfungswissen kurz und bündig" von Anke Globig für 39,95€

    ISBN 9783752869064 "Fachwirt für Büro- & Projektorganisation - Lehrbuch" von Maike Haverlandt für 59,95€


    Beide sind leider keine professionellen Bücher (es sind Book on Demand Bücher). Es mutet an, als hätten Beide ihre Rechercheergebnisse, die sie parallel zum Vorbereitskurs zusammengetragen haben, mehr oder weniger sinnvoll strukturiert aufgearbeitet und dann mit einem professionellen Cover über BoD verkauft - zu einem der Qualität nicht entsprechenden stolzen Preis. Auch das Layout ist bei beiden Büchern wie selbst mit Word erstellt und nicht professionell.


    Mit ein wenig eigenen Internetrecherchen findet man die Erklärung fast wortgleich z. B. bei Wikipedia (z. B. der Abschnitt über die Dienstleistungsqualitäts-Kontrolle) und teilweise sind Dinge fast sinnentstellend falsch wiedergegeben (z. B. Watzlawick's berühmte "Man kann nicht nicht kommunizieren" ist als "Man kann nicht kommunizieren" im Buch von Globig zu finden). Dabei gibt es kein Quellenverzeichnis und kaum Hinweise auf Quellen.


    Auch hätte ich - ich finde zu Recht - erwartet, dass die Bücher nach dem Rahmenplan gegliedert sind und dass alle Stichwörter aus dem Rahmenplan im Stichwortverzeichnis der Bücher zu finden sind. Leider ist dem nicht so. Das Buch von Haverlandt hat sich für quasi keine Gliederung entscheiden. Es hat nur eine grobe thematische Einstellung. Das Buch von Globig sortiert sinnvoller und übersichtlicher, orientiert sich aber auch nicht am Rahmenplan.


    Soviel sei als Warnung gesagt. Die Bücher lohnen sich leider nicht. (Wenn ich im Selbststudium weiter mache dann kann ich ein deutlich hochwertigeres "Buch" im Anschluss veröffentlichen.)


    Was mich verunsichert:


    Erstens: Beide haben ja offenbar mit diesem Wissen den Fachwirt geschafft. Reicht also so ein oberflächliches Wissen für die Prüfung aus?


    Zweitens, die Lerndauer/Kursdauer:


    Wenn ich so weitermache wie bisher, dann erarbeite ich mir mehr oder weniger in jeder 3-Stunden-Studier-Session einen Unterpunkt der Lernfelder und brauche damit vielleicht 17 Lernsessions plus natürlich dann Prüfungen anschauen und machen zum Üben, sagen wir dafür nochmal 10 Lernsessions. Runden wir auf 30 Lernsessions auf entspricht das 67 Schulstunden Kursdauer im Selbststudium.


    Die eingangs genannten Kurse gehen jedoch von richtig viel mehr Zeit aus. ManQ kommt bei angenommen nur einer Session pro Woche bei 52 Wochen auf 208 Schulstunden plus ungefähr die selbe Zeit Vor- und Nachbereitung, gesamt also 416 Schulstunden. Der WBS- Kurs kommt auf viel mehr, grob überschlagen 704 Schulstunden plus eigenständige Prüfungsvorbereitung.


    Dauert das so lange, weil so langsam vorgegangen wird und so viel wiederholt wird, dass auch wirklich jeder mitkommt? Wird so viel geübt im Sinne von Prüfungsaufgaben durchgegangen, damit man es auch wirklich drauf hat? Wie ergibt sich die im Vergleich mit dem Selbststudium so lange Unterrichtszeit?


    Schätze ich das völlig falsch ein? Ich bin echt verunsichert.

  • Zitat

    Reicht also so ein oberflächliches Wissen für die Prüfung aus?


    Wie oberflächlich genau die Bücher sind weiß ich nicht, aber bei den Fachwirten geht es konzeptionell von der Prüfung her natürlich mehr in die Breite anstatt in die Tiefe. Versuch dir mal eine Originalprüfung zu organisieren und ließ dir die Lösungshinweise durch. Diese "Hinweise" sind aber keine Musterlösung und in den Aufgaben geht es dann um das verstehen und anwenden, d.h. du sollst dann mit dem was du "oberflächlich" weißt einen Lösungsvorschlag erarbeiten, eine Aufgabe die mit vielen Punkten versehen ist dann natürlich ausführlicher als eine "Lernfrage" mit 2 oder 4 Punkten wo man einfach nur etwas benennen und auflisten soll, der Stil der Aufgaben die "Prüfungslyrik" und die Durchführung der Prüfung ist selbst ein Thema mit dem man sich befassen solltest, wenn du ungefähr weißt was von dir erwartet wird, weiß man auch ungefähr was und wie man lernen muss.


    Zitat

    Wie ergibt sich die im Vergleich mit dem Selbststudium so lange Unterrichtszeit?

    Die Unterrichtszeit ist auch im Rahmenplan als Konzeption und Stundenempfehlung angegeben.

    620 Unterrichtsstunden. - Eckert Schulen bietet aber z.B. einen Teilzeitkurs mit Präsenz dafür mit ca 430 Stunden an. Die Mehrzahl ist ungefähr bei 500 Stunden


    Zitat

    Dauert das so lange, weil so langsam vorgegangen wird und so viel wiederholt wird, dass auch wirklich jeder mitkommt?

    "Alles schläft, und einer spricht, das ganze nennt man Unterricht. "

    Im Grunde genommen, ja. Im Prinzip wird tendenziell nochmal der "Kaufmann für Büromanagement" (Vielleicht aktuelles Buch aus der Ausbildung dazu organisieren? 978-3-8045-3503-9 ? ) wiederholt werden, also das Grundwissen nach oben, danach kommt der neue Stoff, ein Fokus liegt hier wohl auf Projektmanagement; danach Zeit für Fragen, Erklärungen, Übungszeiten usw. man bezahlt den Unterricht ja damit man es mitbekommt und alles erklärt bekommt.


    "Nur" 67 Stunden Netto für den ganzen Fachwirt scheinen mir aber, auch wenn man im Selbststudium effizienter lernt doch etwas unrealistisch wenn ich von den anderen Fachwirten zum Vergleich ausgehe. Die Kurse finden gestreckt in Zeiträumen bis zu 2 Jahren statt.

    Ich habe den Rahmenplan nicht vorliegen und weiß nicht wie weit man z.B. bei der Kostenrechnung ins Detail geht, auch kommt es sicher auf dein Vorwissen an.
    Aber tendenziell würde ich sagen das man etwas was in einem komprimierten Präsenzkurs mit 430 Stunden erledigt werden kann, sich doch in 2/3 der Zeit alleine erarbeiten. Da sind wir aber bei 2 Stunden jeden Tag lernen doch bei wenigstens 5 Monaten Vorbereitungszeit.



    Zitat

    Auch hätte ich - ich finde zu Recht - erwartet, dass die Bücher nach dem Rahmenplan gegliedert sind und dass alle Stichwörter aus dem Rahmenplan im Stichwortverzeichnis der Bücher zu finden sind.

    Ja, das ist tatsächlich Schade wenn die wenig brauchbar sind. Evtl. fährst du mit Materialien für den Wirtschaftsfachwirt und Betriebswirt besser. Zumindest für die Themen Personal, etc. wird es da hohe Übereinstimmungen geben.


    Wirtschaftsfachwirt bestanden 03/16
    Ausbildereignungsprüfung bestanden 07/16

    Meister für Schutz und Sicherheit 05/17

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  • Ich habe jetzt eine "Schnupperstunde" bei ManQ wahrgenommen. Folgendes kann ich berichten:


    Wieso ist die Lehrgangsdauer so kurz (12 Monate mit je einem Abend pro Woche statt woanders 18 Monate mit 2 Abenden)?

    - Sie bauen darauf, dass mit ca. 3 h Lernaufträgen vor jedem Onlinekurs man sich in eigener Geschwindigkeit Grundlage erarbeitet statt alles vorgekaut zu bekommen.

    - Sie machen jede Woche Unterricht und lassen keine Ferienzeiten aus, damit verkürzt sich die Dauer sowieso.

    - Meine Vermutung: Sie sparen auch deutlich Personalkosten.


    Wie funktioniert das Konzept?

    - 3 h Vorbereitung des Onlinekurses jede Woche vor dem Termin

    - 3 h Online-"Präsenzkurs" mit verpflichtender Videofunktion

    - ggfs. Nacharbeit

    - nach 12 Monaten bis zur Prüfung: wöchentliche Prüfungsvorbereitungs-Onlinesitzungen

    - Online-Bibliothek: digitaler kostenloser Zugang zu allen Fachbüchern des Kiehl-Verlags

    - Online-Lernerfolgskontrollen, circa monatlich über das Moodle zeitunabhängig durchzuführen

    - Online-Kurse werden für die Lehrgangsdauer aufgezeichnet und der Kursgruppe als Stream zum Nacharbeiten zur Verfügung gestellt.

    - Technisch werden die Onlinekurse über Zoom realisiert.


    Auf die Frage nach der Qualifikation der Dozenten kam ein eher schwammiges: "Das ist bunt gemischt. Fachpraktiker, die abends noch unterrichten (z. B. Rechtanswältin), Vollzeit-Dozenten, die auch bei ManQ unterrichten. Und anderes." Unterrichtet wird nicht von einem Dozenten sondern von verschiedenen, je nach Themengebiet.


    Ich muss sagen, ich mag den geradlinigen Ansatz, mit möglichst wenig Zeitaufwand und Anpassung an das Vorwissen des Teilnehmers zu arbeiten. Mir widerstrebt es, 18 Monate zu investieren und mehr als doppelt so viel Online-Präsenz-Stunden, wenn es nicht sein muss, nur damit mir alles vorgekaut wird.


    Vielleicht hilft das ja jemandem weiter. :-)