Informationen zum Industriefachwirt IHK von einem Industriefachwirt IHK

  • Guten Abend zusammen,



    meine hier gestellten Fragen, bezüglich meinen beiden abgeschlossenen Weiterbildungen (Industriefachwirt und Tech. Fachwirt), wurden stets von hilfsbereiten Usern gut und freundlich beantwortet. Hierfür möchte ich mich zunächst einmal herzlich bedanken!



    Ich habe mich dazu entschlossen, etwas davon wieder zurück zu geben und zwar in Form von allgemeinen Hilfestellungen / Antworten für „Beginner“:



    Wichtiges vorab:


    - es handelt sich um meine subjektive(n) Meinung(en);


    - Zielgruppe meiner Hilfestellung(en): jemand der sich über die Weiterbildung "Industriefachwirt/in" vorab informieren möchte; Lehrgangs-Beginner


    - ich möchte keine Werbung machen, lediglich Vorschläge / Hilfestellungen erbringen



    Hier im >Industriefachwirt-Forum< werde ich mich auf die Weiterbildung "Industriefachwirt/in" beziehen:



    Fragen, welche ich mir häufig gestellt habe, bzw. im Fachwirt Forum von anderen Usern oft gestellt wurden:




    Frage 1:


    Ist der Industriefachwirt schwierig?



    Antwort 1:


    Für diese Frage gibt es keine "Universalantwort"! Der Industriefachwirt ist sehr breit gefächert. Fakt ist jedoch: jemand der zuvor eine kaufmännische Ausbildung absolviert hat (beispielsweise: Industriekaufmann/-frau) wird sich mit dem Lernstoff wesentlich einfacher identifizieren.



    Kurzüberblick (Anhang zu Antwort 1):


    Der Industriefachwirt ist, wie der Name schon sagt, sehr Industrie lastig. Das heißt, dass vor allem die betrieblichen Funktionen / Wertschöpfungskette (Beschaffung-Produktion-Marketing/Absatz) sowie in erster Linie alles „das mit dem Unternehmen direkt in Verbindung gebracht werden kann“ >>> Recht (vor allem das BGB, HGB, UWG, GWB, Arbeitsgesetze, Umweltgesetze), >>> Steuern (schwerpunktmäßig die Körperschaftssteuer, Gewerbesteuer, Einkommensteuer, Umsatzsteuer).




    Frage 2:


    Welche Fächer des Industriefachwirts sind besonders schwierig?



    Antwort 2:


    Auch hier gibt es keine Universalantwort! Aber es gibt gewisse „Tendenzen“ die sich abzeichnen. Hierfür muss ich nun ein bisschen ausholen. Ich werde nachfolgend die Prüfungstage und deren Fächer vorstellen und in diesem Zuge gleich ein bisschen „Insider Wissen“ >>> x <<< mit einbringen:



    Prüfungsteil 1: „Wirtschaftsbezogenen Qualifikationen“ (ein Prüfungstag)


    Dieser Prüfungsteil setzt sich aus folgenden Prüfungsfächern zusammen: 1. Volks- und Betriebswirtschaft (75 Min.); 2. Rechnungswesen (90 Min.); 3. Recht und Steuern (75 Min.); 4. Unternehmensführung (90 Min.) >>> In dieser Reihenfolge <<<



    >>> Hier gibt es aus allgemeiner Sicht zwei kritische Fächer: jemand der nicht gut mit Zahlen umgehen kann, den wird das Fach „Rechnungswesen“ sehr beschäftigen. Am besten viel Formelumstellen üben und viel mit Formeln arbeiten. Das trägt gut zur Senkung der Schwierigkeit des Fachs REWE bei! <<<



    >>> Das am meisten unterschätzte Fach (meine subjektive Meinung) beim Industriefachwirt ist das Fach „Recht und Steuern“. Das ist aber oft ein „Dozentengemachtes“ Problem. Viele Dozenten suggerieren bereits bei der ersten Unterrichtsstunde: „das tolle am Fach Recht und Steuern ist, dass ihr in den Prüfungen alles nachblättern könnt“. Fehlanzeige! Kann man natürlich schon machen, doch dann wird einem bereits nach der Hälfte der Aufgaben gnadenlos die Zeit ausgehen. Und hier spreche ich sicherlich vielen ehemaligen Prüfungsteilnehmern aus der Seele. Die 90 Minuten für das Fach Recht & Steuern sind sehr knapp bemessen. Hier gibt es einen sehr effektiven Lösungsansatz mit dem man jedoch frühzeitig beginnen muss!



    (1) Zuhause viel mit den Gesetzestexten arbeiten, damit dies zur Gewohnheit wird. (Das hilft auch beim Einprägen der „altertümlichen, nicht mehr zeitgemäßen“ Stichwortverzeichnisse.



    (2) Auswendiglernen der rechtlichen Grundbegrifflichkeiten wie z.B. „natürliche Person“; „juristische Person“; „Sache“; sowie sämtliche Vertragsarten nach BGB;



    (3) Für das Steuerrecht macht es Sinn, sich mit den einzelnen Steuern zu beschäftigen (z.B. Körperschaftssteuer, Gewerbesteuer, Einkommensteuer, Umsatzsteuer; das Gliedern der Steuern nach Ertragshoheit; Steuern nach der Überwälzbarkeit; die Begriffsdefinitionen „Steuer“; „Abgaben“; „Beiträge“…



    Die Fächer VWL/BWL und Unternehmensführung sind mit einer kaufmännischen Vorbildung so weit weniger kritisch. <<<




    Prüfungsteil 2: „Handlungsspezifischen Qualifikationen“ (zwei Prüfungstage)


    Situationsaufgabe 1 (240 Min.); Situationsaufgabe 2 (240 Min.)



    Themengebiete für die zwei Situationen:


    Finanzwirtschaft im Industrieunternehmen; Produktionsprozesse; Marketing & Vertrieb; Wissens- und Transfermanagement; Führung und Zusammenarbeit;



    Oft aufgezeigte Schwerpunkte in den jeweiligen Bereichen:



    „Finanzwirtschaft im Industrieunternehmen“: >>> Investitionen, verbunden mit deren Finanzierung (Investitions- und Finanzierungsarten); Kapitalwertmethode; Auf- und Abzinsung; <<<



    „Produktionsprozesse“: >>> Managementsysteme; Verbesserungsprozesse; BWL-Produktionsfaktoren; Kapazität <<<



    „Marketing & Vertrieb“: >>> Vor allem strategische Marketinginstrumente (z.B. BCG-Matrix; Ansoff-Matrix); Marketing-Mix; Mafo; <<<



    „Wissens- und Transfermanagement“: >>> z.B. Einführung eines Verbesserungsmanagement; Innovationsmanagement; Wissensmanagement; Wissensdatenbank; Implizites- und Explizites Wissen; grob der „Umgang und die Weitergabe“ mit und von Wissen im Unternehmen <<<



    „Führung und Zusammenarbeit“: >>> 1D-Führungsstile; 2D-Führungsstile; 3D-Führungsstile, Unternehmensleitbild / Unternehmenskultur; Aufbau- / Ablauforganisation; Leitungssysteme <<<



    >>> Wie der Name „Situation“ schon sagt, werdet ihr hier in verschiedene Situationen eingeführt. So kann es z.B. sein, dass eine Aufgabe aus Sichtweise der a) BWL; b) VWL; c) dem Recht; d) dem Steuerrecht heraus beurteilt werden muss…



    Der Knackpunkt der Situationsaufgaben: Sie beziehen sich auf den gesamten Rahmenlehrplan <<<



    Prüfungsteil 3: mündliche Situationsaufgabe (Präsentation und situationsbezogenes Fachgespräch)



    Präsentation: ca. 10 Minuten (Auf Einsatz von mind. 2 Präsentationsmedien achten!)


    Fachgespräch ca. 20 Minuten (Basis für das Fachgespräch war bei meinen beiden Fachwirten die Präsentation)


    >>> Bei mir waren stets 3 Prüfer anwesend (=Minimum an Mitglieder für einen Prüfungsausschuss der IHK) – um hier einmal die Größe des Prüfungsausschusses zu erwähnen! <<<



    >>>Bei der mündlichen Prüfung macht es durchaus Sinn, mit einem eigenen Laptop + eigenen Beamer zu erscheinen, um die Funktionalität der Technik / der Bildschirmpräsentation zu gewährleisten <<<



    Wichtiges zur Präsentation:


    Die Präsentation muss sich auf mindestens zwei der nachfolgenden Bereiche beziehen: Finanzwirtschaft im Industrieunternehmen; Produktionsprozesse; Marketing & Vertrieb; Wissens- und Transfermanagement im Industrieunternehmen; Führung und Zusammenarbeit


    (Die gleichen Themenbereiche wie bei den Situationsaufgaben 1 + 2)



    >>> Hierzu gibt es ein ganz tolles Buch: „Industriefachwirte Präsentation und Fachgespräch“ vom „Fachwirteverlag“ <<<




    Frage 3:


    Welche (Ersatz-) Lektüre ist für den Industriefachwirt zu empfehlen?



    Antwort 3:


    Ich persönlich habe hauptsächlich mit der Lektüre vom "Kiehl" Verlag gelernt und habe (fast) jede Prüfung mit einem zweier / guten dreier bestanden. In der Fachwirt-Lektüre vom Kiehl-Verlag wird der Lernstoff in einer Art "Frage + Antwort" -form aufbereitet / erläutert dargestellt. Das fördert ein effektives Einprägen! Wer mit dieser Aufbereitung des Lernstoffs gut klar kommt, wird begeistert sein!



    Für den Industriefachwirt gibt es zwei Bücher vom Kiehlverlag: (1) "Die Prüfung der Fachwirte: Wirtschaftsbezogene Qualifikationen" und (2) „Die Prüfung der Fachwirte: Handlungsspezifische Qualifikationen“ ergänzend hierzu würde ich noch, wie oben bereits erwähnt, (3) „Industriefachwirte Präsentation und Fachgespräch“ für den mündlichen Teil wärmstens empfehlen! (Hier werden Beispielthemen / Beispielpräsentationen aufgezeigt, um den Umfang der Mündlichen (Teil 3) kennenzulernen)




    Frage 4:


    Wie bereitet man sich am besten auf die anstehenden IHK-Prüfungen vor?



    Antwort 4:


    Ganz wichtig: fangt frühzeitig mit den Wiederholungen an! Der Kopf benötigt Zeit, um das Gelernte ordentlich zu verarbeiten. Wichtig ist hier nachhaltiges lernen...



    Ich selbst habe stets ca. 3-4 Monate vor dem Prüfungstag mit der Prüfungsvorbereitung begonnen. Die letzten 6 Wochen habe ich alte IHK-Prüfungen durchgearbeitet. Anhand der Originalprüfungen könnt ihr final einschätzen, ob in gewissen Themenbereichen noch Nachholbedarf besteht. (Ich habe meinen Industriefachwirt per Abendschule gemacht. Im Falle einer Ganztagsschule reichen vielleicht auch 2 Monate Vorbereitung aus, da die täglichen 8h Arbeit nicht im Weg stehen! Diese Perspektive kann ich leider nicht beurteilen!)




    Frage 5:


    Ist für mich der Industriefachwirt oder der Wirtschaftsfachwirt besser geeignet?



    Antwort 5:


    Diese Frage wurde in meiner Klasse über beide Jahre hinweg diskutiert. Hier gilt es zu wissen, welche weitere berufliche Richtung man einschlagen möchte. Besser gesagt, welche Branche.


    Während der Industriefachwirt mehr tiefgründig auf die industriellen Prozesse (viel BWL) eingeht, ist der Wirtschaftsfachwirt eher VWL lastig und breiter gefächert (zielt z.B. mehr auf den Handel / Bankwesen ab). Auch die mündliche Prüfung (Teil 3) unterscheidet sich kräftig vom Industriefachwirt. Beim Wirtschaftsfachwirt muss man eine „Spontanpräsentation“ innerhalb von 30 Minuten erstellen, halten + Fachgespräch antreten.



    Ich hoffe ich konnte euch damit ein bisschen weiterhelfen und wünsche noch einen angenehmen Abend!



    PS: bei Fragen bitte einfach hierauf antworten / bzw. mich anschreiben. Ich helfe gerne!



    Beste Grüße und allzeit viel Erfolg!:thumbsup:


    Lernkopf 89