Was würdet ihr machen in so einer Situation? (Fachwirt für Personenverkehr und Mobilität

  • Hallo,

    im Januar hatte ich meine mündliche Prüfung für den Abschluss zum Fachwirt für Personenverkehr und Mobilität. Ich war froh soweit gekommen zu sein, da die schriftliche sehr kompliziert war und ich gerade auf Arbeit und Privat eine sehr schwere Zeit durch mache. Ich ging zur Prüfung und hab die Präsentation vorgetragen. Im Fragengespräch anschließend hieß es: Ihr wirtschaftliche Teil fehlt, entweder wir hohlen das nach oder sie würden durchfallen. Ich schaute verwundert, auch wenn es ein kaufmännischer Fachwirt ist, so ist gem Gesetz in der mündlichen Prüfung ein wirtschaftlicher Teil nur wahlthema. Verpflichtend wäre Führung und Kommunikation sowie die Auswahl aus einem der anderen 2 Themenschwrrpunkte wo man diese in seiner Präsentation behandelt, vermutlich ähnlich zu den anderen Fachwirten. Naja, ich beantworte die Fragen, dan bat man mich zu warten, 5 Minuten Später verkündete man mir ich sei durchgefallen wegen dem fehlenden wirtschaftlichen Teil der Präsentation, auf Nachfrage: 39 Punkte. Ich solle nochmal kommen aber mit 1-2 Folien zum wirtschaftlichen Teil.


    Ich dachte, was ist los? Bin ich hier im falschen Raum? Letzte Woche kam das Ergebnis per Post, so wie oben berberichtet. Von anderen Leuten, welche die gleiche Prüfung bei einer anderen IHK gemacht haben, war dieser wirtschaftliche Teil kein Thema.


    Ich habe eine ähnliche Frage gefunden:

    chrisless
    23. Februar 2017 um 13:43


    Aber ich denke meine Situation unterscheidet sich etwas zu dem aus dem Link. Ich habe das Gefühl in der Prüfung falsch bewertet worden zu sein, aber ich möchte nicht gleich Anwalt einschalten oder klagen, wird sowieso nichts bringen, sondern es auf einen vernünftigen Weg lösen.


    Wie seht ihr das? Was könnte ich machen? Ich habe einen Brief bereits an die IHK geschickt mit der bitte um eine fachliche Stellungnahme warum der wirtschaftliche Teil so einen hohen Stellenwert hatte in der Prüfung.


    Danke im voraus.

    Einmal editiert, zuletzt von schadra (9. März 2026 um 14:03)

  • Hallo Schadra,

    wie Du schon richtigerweise sagst, soll in Deiner Präsentation das Thema "Kommunikation, Führung und Zusammenarbeit" behandelt werden sowie ein weiteres der beiden anderen Schwerpunkte (Konzipieren und Vermarkten von Mobilitätsdienstleistungen / Leistungserstellung und Auftragsabwicklung im Personenverkehr).
    Wenn Du mit der Bewertung nicht einverstanden bist, kannst Du gegen das Ergebnis der Bewertung Widerspruch einlegen. Dazu hast Du in der Regel einen Monat nach Bekanntgabe des Ergebnisses Zeit - genaueres sollte in Deiner Ergebnisbenachrichtigung stehen. Dein Widerspruch muss von Dir begründet werden. Dann geben die Prüfer eine Stellungnahme zu Deinem Widerspruch ab und korrigieren ihre Bewertung, falls ihnen in der ursprünglichen Bewertung ein Fehler unterlaufen sein sollte, oder sie behalten ihr Ergebnis bei, falls sie Deiner Widerspruchsbegründung nicht folgen.
    Danach könntest Du gegen den entsprechenden Widerspruchsbescheid klagen.
    Im ersten Schritt benötigst Du also weder Anwalt noch eine Klage. Sicherlich kannst Du aufgrund der Stellungnahme des Prüfungsausschusses auch die Bewertung besser nachvollziehen und Dir dann überlegen, ob Du weitere Schritte einleiten möchtest oder einfach ein weiteres Mal antrittst.
    Viele Grüße
    Tiba

  • Hey Tiba,


    Vielen Dank für deine Antwort. Ich habe Angst diesen Weg mit Wiederspruch zu gehen, weil ich irgendwie nicht weiß was sich dadurch konkret bewegt. Werden die Teilnehmer der Prüfungskomission Ärger bekommen? Wie werden die das aufassen?Ich hab angst das die das persönlich nehmen nur weil ich es nicht einfach so akzeptiere wie es von denen gewünscht wird. Ich gehe davon aus das ich beim nächsten Mal die gleichen Prüfer haben werde, da es ein spezieller Fachwirt ist. Wie sind die Chancen bei so einem Wiederspruch? Wie oft wwird in solche Fälle eine Neubewertung durchgeführt?


    Danke im voraus.

    Einmal editiert, zuletzt von schadra (18. Februar 2026 um 21:06)

  • Hallo Schadra,

    Prüfer sind moralisch gefestigte Menschen, die wissen, dass Prüflinge Rechte haben.

    Für mich als Prüfer gehören Widersprüche dazu, und ich gehe damit rational um. Weder bekomme ich wegen eines Widerspruchs Ärger, noch bin ich dem Prüfling böse und bewerte ihn beim nächsten Mal schlechter.

    Die Verordnung sagt: "Im Fachgespräch soll ausgehend von der Präsentation die Fähigkeit nachgewiesen werden, betriebspraktische Probleme zu analysieren und Lösungsmöglichkeiten unter Beachtung der maßgebenden Einflussfaktoren zu bewerten."

    Wirtschaftliche Aspekte sind für mich "maßgebliche Einflussfaktoren".

    Die Chancen des Widerspruchs kann ich aus der Ferne nicht einschätzen. Statistiken helfen auch nicht weiter, da es sehr viele sinnfreie Widersprüche gibt, oft angestoßen von unterbeschäftigten Rechtsanwälten.

    Trotzdem ein Hinweis: Die 39 P wären im vorliegenden Fall nur dann zu korrigieren, wenn Inhalte im Fachgespräch Inhalte gefordert wurden, die nicht gefordert werden dürfen. Hast Du keinen Fachdozenten, der Dir eine Einschätzung geben kann?

    "Ich habe einen Brief bereits an die IHK geschickt mit der bitte um eine fachliche Stellungnahme warum der wirtschaftliche Teil so einen hohen Stellenwert hatte in der Prüfung."

    Zudem würde ich die Antwort abwarten. Dabei aber aufpassen, dass die Widerspruchsfrist von einem Monat nach Bekanntgabe nicht verstreicht.

    LG
    -Tim

  • Hallo Tim,

    ich habe mich mit einem unserer Fachdozenten aus der Fachwirt Weiterbildung direkt im Anschluss ausgetauscht. Er war ebenfalls völlig überrascht wegen dem Ergebnis.

    Ich habe mich für den Punkt Konzipieren und Vermarkten von Mobilitätsdienstleistungen entscheiden und auch in der Präsentation den Punkt Kommunikation, Führung und Zusammenarbeit behandelt.


    Ich kann gerne die Präsentation einsenden. Für mich ist irgendwie, ich weiß es hört sich komisch an, aber das Gefühl da, das ich irgendwie unfairerweise schlechter bewertet wurde. Wenn die Begründung da ist würde das vermutlich meine Sichtweise ändern, aber bis jetzt ist es nur alles im Gedanken, die Fragen die man sich stellt.


    Ich danke euch für die Auskunft und Unterstützung. Natürlich warte ich erstmal ab was die Antwort ist. Sollte in den nächsten 1,5 Wochen keine Antwort kommen, hätte ich die Option mit Wiederspruch lt. IHK Brief.


    Danke, bis dann

    Viele Grüße

    Schadra

    Einmal editiert, zuletzt von schadra (19. Februar 2026 um 13:24)

  • Hallo Schadra,

    ich schließe mich Tims Ausführungen an. Niemand bekommt Ärger wegen eines Widerspruchs und niemand nimmt einen Widerspruch persönlich. Wenn also - wie Tim ausgeführt hat - fachfremde Fragen gestellt wurden oder Du das Gefühl hast, dass Deine Antworten nicht entsprechend gewertet wurden, dann steht Dir der Weg des Widerspruchs frei. Anderenfalls trittst Du einfach in einem halben Jahr erneut an.

    Viele Grüße
    Tiba

  • Hallo zusammen,


    Einige Zeit ist vergangen und es hat sich sehr viel getan. Fairerweise möchte ich mich daher auch zurückmelden. Was ist seitdem passiert? Nach meinem Widerspruch kam ein Brief mit dem Hinweis ich könnte Prüfungseinsicht nehmen, dies habe ich natürlich auch genutzt. Vor Ort angekommen machte ich mir Notizen zu den Dokumenten welche mir vorgelegt wurden vom IHK Sachbearbeiter. Als ich fertig war mit dem notieren erfolgte ein Gespräch mit dem Sachbearbeiter, die mit einer aus meiner Sicht etwas unprofessionellunprofessionellen Bemerkung begann. Dann wurde der Sachbearbeiter sehr emotional, von "feste Person" war da keine Spur zu sehen. Im Gegenteil es wurde richtig vorwurfsvoll gegen mich und ging in Richtung Verhör. Auf jeden Fall versucht er mir Druck zu machen das ich den laufenden Widerspruch zurücknehmen soll. So argumentierte er, ich hätte mich über die Prüfungskomission beschwert (was ich in keiner einzigen Form im Widerspruch erwähnt habe) und das meine Unterlage aus einem Buch kopiert wäre. Darauf habe ich ihm mitgeteilt das er gerne einen Nachweis/Beweis vorlegen kann, so wäre das dann auch für mich gut zu wissen. (Ich habe die Unterlage selber gemacht nur das Format wirkte tatsächlich zu sehr professionell was ihm scheinbar diesen Eindruck verschaft hat) Er meinte die darin verwendeten Begriffe kenne er aus dem Verkehrsmuseum, daher kommt er zu dem Entschluss das meine Unterlage kopiert sein könnte. Außerdem würde ich scheinbar BWL nicht mögen, aber BWL müsste eben sein, denn er hat BWL studiert. Dann kam er mit seinem Verordnungsbuch daher. Zum Abschluss verabschiedetverabschiedete ich mich, aber er wollte mir nicht die Hand geben, erst sehr verzögert. Also zu dem was oben erwähnt ist, war diese Person definitiv keine "moralisch gefestigte" Person. Die 4 Herrschaften von der Prüfung waren es scheinbar auch nicht, dies konnte ich aus den Aufzeichnungen aufnehmen, die sehr kurz waren. Prüfungszeit war insgesamt 15 Minuten, statt ca. 30, was auch meine Erinnerung bestätigte. Ohne jemanden etwas von denen vorzuwerfen, ich hatte den Eindruck das die Prüfer keinen Bock hatten ihre Aufgabe dahingehend wahrzunehmen. Alle haben in den Unterlagen das gleiche notiert. Im Anschluss ging ich heim. Beim auswerten mit anderen Personen, haben wir festgestellt das wirklich die gleichen Angaben zur Punktzahl gemacht wurde, aber in meinem Fall wurde ein falscher Vordruck von den Prüfern verwendet. So ergab eine Neuerechnung das ich die Prüfung bestanden habe. Die nachfrage bei der IHK dauerte auch mehrere Wochen bis am Ende die Antwort kam das ich mein Zeugnis erhalte. Das Zeugnis erhielt ich mit 3 Monate Verspätung viel Thater und Chaos, leider war schon die FFrist für die Anerkennung bei der Uni (mein nächster Schritt) vorbei. Jetzt schaue ich was ich als nächstes mache. Was ich gelernt habe daraus: für seine Rechte sollte man unbedingt kämpfen, und ganz egal wer auf der anderen seite sitzt. Fehler passieren, aber wie man umgeht, das macht es aus.


    Was meint ihr dazu?

  • Hallo Schadra,

    "Was ich gelernt habe daraus: für seine Rechte sollte man unbedingt kämpfen, und ganz egal wer auf der anderen seite sitzt. Fehler passieren, aber wie man umgeht, das macht es aus."


    besser kann man es nicht zusammenfassen.

    Ich habe die vage Hoffnung, dass die Beteiligten auf IHK-Seite aus dem Vorgang etwas lernen. Manche Kammern lernen es aber nie. Daher brauchen wir junge, engagierte Prüferinnen und Prüfer, die das Prüfungswesen voranbringen möchten, denn ein Thema steht schon länger an: Wie wollen wir in Zukunft prüfen?

    Verordnungen und Rahmenpläne, teilweise aus dem letzten Jahrhundert, warten darauf, aktualisiert zu werden. Leider ist der politische Prozess dermaßen zäh, weil hier viele Köche den Brei verderben.

    Für Dich freut es mich sehr, dass es nun doch funktioniert hat. Ich hoffe, Du gehst Deinen Weg.

    Viele Grüße und meine besten Wünsche!
    -Tim